RevStealer: Wenn der Claude Download Malware ist

Anfang September 2026 hat Morphisec Threat Labs eine Kampagne aufgedeckt bei der ein gefälschtes GitHub Repository namens „Claude-Opus-5-Free-Desktop“ Malware verteilt. Das Repo sieht auf den ersten Blick seriös aus mit Screenshots, Modellvergleichen und einer ca. 100 MB grossen ZIP Datei. Wer die herunterlädt und startet bekommt allerdings kein KI Tool, sondern den Infostealer „RevStealer“, und das Ding ist technisch auf einem Level das man bei solchen Kampagnen selten sieht.

Ablauf

Die ZIP Datei enthält eine 64-Bit Electron App. Nach dem Start passiert nichts: kein Fenster, keine Oberfläche, kein Hinweis dass etwas läuft. Im Hintergrund allerdings startet ein ausgeklügeltes Prüfverfahren bevor die eigentliche Malware überhaupt aktiv wird.

Zehn separate Checks laufen ab, wobei mindestens 2 GB RAM und zwei CPU Kerne vorhanden sein müssen und die Grafikkarte gegen eine Liste bekannter Hersteller geprüft wird. Hostname und Benutzername werden mit 14 Schlüsselwörtern abgeglichen (z.B. „malware“, „sandbox“, „currentuser“, „johnson“), und ein JavaScript Timing Check mit ca. 100 Millisekunden Schwelle erkennt Debugger; wenn einer läuft werden die verschlüsselten Strings sofort zerstört.. Dazu kommt ein Scoring System: je mehr Checks anschlagen, desto wahrscheinlicher ist es eine Analysumgebung.

Ein Detail das auffällt: auf Systemen mit russischer, ukrainischer oder zentralasiatischer Spracheinstellung beendet sich die Malware sofort, was ziemlich klar auf die Herkunft der Entwickler hindeutet.

Technische Details

Erst wenn alle Prüfungen bestanden sind wird der eigentliche Payload entschlüsselt (AES-256-CBC, eingebettet in den Ressourcen der Electron App) und in einen zufällig benannten Ordner unter AppData geschrieben. Vorher versucht der Loader noch den AppData Ordner zur Windows Defender Ausnahmeliste hinzuzufügen (ev. klappt das nicht immer, aber ein Versuch kostet ja nichts).

Der native Payload selbst löst Windows APIs ohne normale Import Tabelle auf und nutzt 14 indirekte Syscall Wrapper um User Mode Hooks zu umgehen. Die Konfiguration bleibt verschlüsselt bis zum Moment der Verwendung; Vectored Exception Handler schützen die Sammelroutinen. Zum Zeitpunkt der Analyse hat nur 1 von 66 Antivirus Engines die Malware erkannt, was man sich mal auf der Zunge zergehen lassen muss.

Was gestohlen wird

Die Liste ist lang: Browser Datenbanken, Cookies, gespeicherte Passwörter, Extension Daten, Windows Credential Manager, über ein Dutzend Passwort Manager, mehr als 50 Krypto Wallet Apps, VPN und Remote Access Zugangsdaten, Messaging Apps, Game Launcher Konten, OBS Profile, Zwischenablage, Screenshots und ausgewählte Dokumente. RevStealer streamt die Daten direkt zum C2 Server statt sie lokal in einem Archiv zu speichern, was forensische Wiederherstellung praktisch unmöglich macht.

Und falls der primäre C2 Server nicht erreichbar ist, liest die Malware eine Fallback Adresse aus einem Smart Contract auf der Polygon Blockchain, so dass die Betreiber ihre Infrastruktur rotieren können ohne dass die Malware „verloren“ geht…

Nach der Exfiltration löscht sich RevStealer selbst, ohne Persistenz, ohne Registry Keys, ohne geplante Tasks. Klassischer Smash and Grab.

Warum das funktioniert

„Gratis KI Tool“ ist der perfekte Köder in 2026 weil jeder Zugang zu den neuesten Modellen will und nicht jeder prüft ob ein GitHub Repo wirklich von Anthropic stammt (das offizielle Repo heisst übrigens anders). Dazu kommen Game Cheat Seiten als zweiter Vertriebskanal, was eine ganz andere Zielgruppe abdeckt. Die Kampagne zeigt auch wie weit sich Infostealer Malware technisch entwickelt hat: Blockchain basierte C2 Infrastruktur, indirekte Syscalls, CAPTCHA Gating gegen automatisierte Analyse; das ist kein Script Kiddie Projekt sondern professionelle Malware Entwicklung.

Schutz

  • KI Tools nur von offiziellen Webseiten herunterladen (claude.ai für Claude, nicht irgendein GitHub Repo)
  • Bei GitHub Repos immer den Account verifizieren: ist es wirklich das offizielle Anthropic Repo?
  • Electron Apps die kein Fenster öffnen sind grundsätzlich verdächtig
  • „Gratis Zugang“ zu Premium KI Modellen gibt es nicht, das ist fast immer ein Köder
  • EDR Lösungen die Verhaltensanalyse machen statt nur auf Signaturen zu setzen (bei 1 von 66 Erkennung sind Signaturen wertlos)

Die Morphisec Forscher (Shmuel Uzan) haben die Analsyse am 1. September publiziert. Ob das Repo inzwischen entfernt wurde war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht klar, aber selbst wenn: das nächste Fake Repo ist wahrscheinlich schon online. Ob es dann „Claude Opus 6“ heisst oder „GPT-5 Free Edition“, das Muster bleibt dasselbe…